Tim Sauer näherte sich der Idee vom eigenen Schuhladen auf dem Parkett. Zehn Jahre lang tanzte er Standard- und Latein. Seit einer Probestunde vor zehn Jahren im Tanzstudio La Yumba begeistert ihn der argentinische Tango und das dazugehörige Schuhwerk nicht minder. Mit dem Fondaco del Tango verwirklichte er 2004 seinen Traum vom eigenen Laden.
Der 48jährige importiert seine Modelle von kleinen Manufakturen im Ausland: aus Italien, de
m europäischen Schuhland Nummer eins, und aus Argentinien, der Heimat des Tango. „Tangoschuhe sollen gut aussehen, aber man muß sich in ihnen auch gut fühlen“, sagt Tim Sauer. Hochhackige Schuhe verändern nach seiner Überzeugung die Ausstrahlung und Haltung einer Tänzerin. Die Beine wirken länger und die Bewegungen eleganter. Allerdings rät Tim Sauer einer Frau im Zweifel eher zu einem schlichteren Modell, wenn sie sich auf hohen Absätzen unsicher fühlt oder die Schuhe nicht richtig sitzen.
Insbesondere Anfängerinnen empfiehlt er meist Modelle mit flacherem Absatz. Es muß ja nicht dabei bleiben. Wenn eine Tänzerin erst einige Erfahrung gesammelt hat, weiß sie sich oft auch auf höheren Absätzen zu bewegen, und manch eine, die mit vier Zentimetern begonnen hat, mag dann auch bei acht Zentimetern noch kein Ende sehen. Tim Sauer legt Wert auf Chromledersohlen. Insbesondere bei Herrenschuhen sind sie wichtig, weil Chromleder festen Halt auf dem Parkett verleiht - und zugleich sanftes Gleiten beim Gehen erlaubt. Tim Sauer lässt die in Argentinien für den Fondaco del Tango hergestellten Modelle eigens mit Chromleder ausstatten.
Wer den zu ihm passenden Schuh finden möchte, sollte ihn am besten einmal ausprobieren. Da haben es die Kundinnen des Fondaco del Tango gut. Fondacajo Tim Sauer ist zu einem Probetänzchen stets bereit.
Sein Interesse für Schuhe hat er früh entdeckt im Geschäft seiner Großeltern,
dem Schuhhaus Drögmöller in Wandsbek. Die Drögmöllers hatten sich nach dem Krieg mit viel Improvisationstalent eine Existenz aufgebaut, die ersten Sohlen schnitten sie aus Autoreifen zurecht. Vor allem für Irma Drögmöller waren Schuhe aber mehr als nur ein zweckdienliches Bekleidungsstück. Wenn sie mit ihrem Mann Heinrich im Café Keese auf der Reeperbahn zum Tanzen ging, trug sie stets elegante Modelle, und die Absätze konnten ihr nicht hoch genug sein.
Das Geschäft der Großeltern war für Tim Sauer so etwas wie ein zweites Zuhause. Nach der Schule radelte er oft nach Wandsbek, packte Schuhe in die Regale, half bei der Buchhaltung, und verfolgte, wie Heinrich Drögmöller mit Vertretern über neue Schuhkollektionen verhandelte. Der Großvater nahm ihn auch mit, wenn er durchs Alte Land fuhr, um auf den Dörfern Schusterbedarfartikel auszuliefern - Sohlen, Absätze, Färbemittel oder Flecken. Der Gedanke lag nahe, es den Großeltern gleich zu tun. Mit 17 suchte sich Tim Sauer eine Lehrstelle im Schuhgroßhandel, entschied sich dann aber anders. Die Schule ging vor - die Schuhe mussten warten.
Die Idee vom eigenen Schuhladen hat er aber nie aufgeben. Mit dem Fondaco del Tango hat er sich diesen Traum erfüllt.