Fondaco del Tango in der Presse.

 

Tangodanza: Wo kauft es sich am besten?

Vor fast genau 5 Jahren führten wir schon einmal ein Interview mit verschiedenen Schuhanbieterinnen. Damals lag unser Schwerpunkt darauf, was einen Tangoschuh ausmacht, was beim Schuhkauf zu beachten ist, wie hoch ein Tangoschuh sein und welche Sohle er haben sollte und worauf Tänzerinnen beim Schuhkauf Wert legen. Dieses Mal wollten wir wissen, welche Schuhe wo zu beziehen sind. Wir fragten, ob sich der Verkauf auf Bällen lohnt und was dort angeboten wird und darüber hinaus, ob sich die Schuhmode sowie das Kaufverhalten der Tänzerinnen in den letzten 5 Jahren verändert haben.

Tangodanza: Welche Schuhe haben Sie im Angebot?

Tim Sauer: Ich importiere die meisten meiner Modelle von kleinen Manufakturen in Argentinien. Sie werden dort nach meinen Wünschen angefertigt, beispielsweise mit Chromledersohle, wie in Deutschland üblich. Als Ergänzung führe ich Paoul-Schuhe aus Italien. Meine Modelle eignen sich sowohl für Tango als auch für Standard, von den Farben her aber weniger für Latein - ich führe keine vielfarbigen, glitzernden Modelle. Sneakers habe ich nicht im Sortiment.

Tangodanza: Verkaufen Sie nur im Laden oder sind Sie auch im Internet und auf Milongas bzw. Bällen vertreten?

Tim Sauer: Ich verkaufe meine Modelle bislang nur in der Tanzschule La Yumba, wo sich mein Laden befindet. Um für die Tänzerin oder den Tänzer einen wirklich gut passenden und auf die Person abgestimmten Schuh zu finden, halte ich eine Anprobe und Beratung für nötig. Aus diesem Grund habe ich bislang darauf verzichtet, Schuhe im Versand zu verkaufen. Allerdings häufen sich auf meiner Website, trotz eines entsprechenden Hinweises, die Anfragen danach.

Tangodanza: Wenn Sie auch auf Milongas und Bällen Schuhe anbieten, favorisieren Sie bestimmte Veranstaltungen oder sind Sie grundsätzlich bei den meisten Tanzveranstaltungen in einem bestimmten Umkreis vertreten? Wenn ja, auf welchen und wie oft?

Tim Sauer: Ich biete nur in meinem Laden in der Tanzschule La Yumba an - zur wöchentlichen Milonga, aber auch bei Bällen und anderen Tangoveranstaltungen.

Tangodanza: Welche Schuhe bieten Sie auf Bällen an? Nur klassische Modelle oder auch sportliche?

Tim Sauer: Es werden eher die klassischen Modelle nachgefragt.

Tangodanza: Dient der Verkauf auf Bällen hauptsächlich der Repräsentation und/oder sind damit hauptsächlich finanzielle Gründe verbunden? Lohnt sich der Verkauf auf Bällen?

Tim Sauer: Ich verkaufe Tangoschuhe wegen meiner Liebe zum Tango und weil ich in einem Schuhladen groß geworden bin. Damit Geld zu verdienen ist eine schöne Sache, aber nicht meine Hauptmotivation. Meine Existenz hängt nicht davon ab.

Tangodanza: Gibt es bei den Tangoschuhen eine bestimmte Mode, und hat sich das Kaufverhalten in den letzten Jahren verändert?

Tim Sauer. Aus meiner Sicht nicht, es gibt bei den Frauen nach wie vor zwei Käuferinnengruppen:

1) Manchen Tänzerinnen kommt es auf Bequemlichkeit an, sie kaufen eher niedrige, einfarbige Modelle. Meistens tanzen sie noch nicht sehr lange Tango.

2) Tänzerinnen, die schon länger dabei sind, suchen oft einen höheren Schuh, der auch ausgefallen sein darf.

Zunehmend interessieren sich auch Männer für ungewöhnlichere Modelle - in schwarz-rot, schwarz-weiß oder mit argentinischem Absatz.

Tangodanza: Es sind immer mehr Tangotänzerinnen mit Sneakers zu sehen -wird mehr auf das Aussehen der Schuhe Wert gelegt oder auf die Bequemlichkeit?

Tim Sauer: Sneakers werden eher zum Unterricht getragen, bei Milongas eher selten. Sneakers mit einem schönen Kleid sehen nicht wirklich gut aus.

Tangodanza: Haben Dance-Sneakers bei Männern eine größere Akzeptanz als bei Frauen?

Tim Sauer: Nein.

Tangodanza: Müssen Tangoschuhe aus Argentinien sein oder legen die Käuferinnen darauf keinen besonderen Wert?

Tim Sauer: Es muss nicht Argentinien sein, Italien und Spanien kommen auch gut an. Deutsche Modelle sind weniger gefragt.

Tangodanza: Vor 5 Jahren entsprach der prozentuale Anteil der männlichen Schuhkäufer max. 35%, und eine Aussage lautete, dass Männern ein Paar Tangoschuhe im Leben reichten, Frauen sich dagegen teilweise zweimal im Jahr neue Tangoschuhe leisten würden. Ist dieses Verhalten heute immer noch zu beobachten?

Tim Sauer: Meine aktuellen Zahlen zeigen, dass ich ca. 15 Prozent Umsatz mit Männerschuhen mache. Das mag auch daran liegen, dass Männerschuhe sehr lange halten: Sie sind geschlossen und haben allenfalls einen niedrigen Absatz.

Tangodanza: Auch hinsichtlich des „richtigen" Schuhs setzten Frauen andere Prioritäten als Männer: Während Frauen sich viel Zeit beim Schuhkauf ließen, mehrere Modelle anprobierten, Wert auf gutes Aussehen legten, waren Männer froh, wenn das erste Paar, das sie anprobierten, gleich passte. Hat sich hieran etwas verändert?

Tim Sauer: Nein, es gibt Männer, die nach dem Probieren des rechten Schuhs sagen: „Nehme ich." Man muss ihnen dann doch empfehlen, auch noch den linken zu probieren.

Mit freundlicher Genehmigung der Tangodanza. Der vollständige Text ist in der Tangodanza Nr. 1/2006 erschienen